AYURVEDA DIAGNOSTIK

Ayurvedische Diagnostik ist multimodal und setzt sich aus einer umfangreichen Anamnese, körperlichen Untersuchung (inklusive der traditionellen Pulspalpation, Zungeninspektion und Antlitzanalyse) und detaillierten Auswertung aller Ergebnisse zusammen.

Erkenntnismittel als Grundlage der Diagnostik

Der Ayurveda beschreibt vier Methoden, um diagnostische Erkenntnisse zu erwerben:

  • Angeeignetes Wissen durch Unterweisung von authorisierten Lehrern und Texten
  • Direkte Wahrnehmung eines Phänomens durch die eigenen fünf Sinne
  • Logische Schlussfolgerung
  • Beweisführung durch Anwendung der therapeutischen Notwendigkeiten

Diagnostik beruht also auf Vermutungen durch logische Schlussfolgerung, basierend auf direkter Wahrnehmung und erlernter Gesetzmäßigkeiten. Die Bestätigung der Vermutung wird durch Beweisführung im Rahmen der Therapie erzielt.

Diagnostische Faktoren zum Krankheitsverständnis

Der Ayurveda differenziert fünf Faktoren, um Krankheiten zu verstehen:

  • Ätiologische Faktoren (Ursache-Wirkung)
  • Prodromalzeichen (Frühsignale)
  • Das klinische Bild (alle Symptome)
  • Reaktionen auf die Gabe von Linderungsmitteln
  • Die Pathogenese (Krankheitsentwicklung)

Untersuchungsmethodik im Ayurveda

Zehn Informationen über den Patienten müssen im Vorfeld erworben werden:
» seine physische und mentale Konstitution,
» die Natur seiner Krankheit bzw. Imbalace,
» die Grundqualifikation seiner Körpergewebe,
» der Körperbau und die Kompaktheit der Gewebe,
» Proportionen und Körpermaße,
» Anpassungsfähigkeit, Verträglichkeiten, Toleranz und Gewohnheiten,
» die mentale Stabilität,
» das Appetitverhalten und die Verdauungskraft,
» Körperkraft, Bewegungsvermögen und physische Belastbarkeit sowie
» das biologische und chronologische Lebensalter.

Die Diagnostik in der ambulanten Praxis setzt sich aus Anamnese und körperlicher Untersuchung zusammen.

In der klinischen Praxis hat sich ein achtfaches Modell durchgesetzt:
» Pulspalpation - Volumen, Rate, Rhythmus, Amplitude, Qualitäten
» Urinuntersuchung - Frequenz, Menge, Farbe, Geruch, Klarheit
» Stuhluntersuchung - Frequenz, Menge, Farbe, Geruch, Konsistenz, Rückstände
» Zungeninspektion - Größe, Form, Farbe, Oberfläche, Feuchtigkeit, Belag
» Auskultation/Geräuschwahrnehmungen - Lungen, Herz, Abdomen, Stimme
» Palpation/Perkussion - Untersuchung der Haut, Muskulatur und Organe
» Augeninspektion - Farbe, Größe, Gefäßzeichnungen, Empfindlichkeit, Glanz
» Beobachtung des allgemeinen Erscheinungsbildes, Antlitz, Physiognomie

Nicht alles ist messbar...

Wie oft hören wir in der klinischen Praxis diese Aussagen von Patienten:
„Ich wurde von Kopf bis Fuß untersucht, mir fehlt nichts – aber glauben Sie mir, es geht mir seit geraumer Zeit schlecht“.

Ist der leidende Patient laboratorisch und apparativ bildgebend befundfrei, gilt seine Beschwerde als Befindlichkeitsstörung, funktionelles oder psychovegetatives Syndrom und wird von ärztlicher Seite eher belächelt bzw. zum psychotherapeutisch arbeitenden Kollegen weiterverwiesen.

Aber stellen nicht gerade diese Zustände potentielle Vorboten der später diagnostizierbaren tatsächlichen „Krankheiten“ dar? Lassen sich vielleicht durch ayurvedische Diagnostik viele Krankheiten im Vorfeld erfassen und noch in reversiblen Stadien therapieren?

Ayurveda und Hightech schließen einander nicht aus

Die Komplexität heutiger Krankheitsbilder erfordert eine laboratorische und bildgebende Differenzierung, um grobe Behandlungsfehler vermeiden zu können. Bleibt es jedoch alleinig bei dieser technologisierten Diagnostik, gehen wertvollle Informationen über den Menschen verloren, die insbesondere bei chronischen, funktionellen und psychosomatischen Störungen entscheidend sind.

Durch Ayurvedische Diagnostik lassen sich klinische Untersuchungen weiter differenzieren, was zu einer individuelleren Behandlung führt. Schließlich darf nicht nur die Krankheit das entscheidende Kriterium für oder gegen eine Therapieform sein, die Grundlage und das Milieu des Erkrankten spielen eine gleichwertige Rolle. Störungen ohne moderne „Namensgebung“ finden durch traditionelle Systeme wie Ayurveda Behandlungsmöglichkeiten.

Umgekehrt kann die westliche Humanmedizin in akuten und vitalbedrohlichen Zuständen schnelle effektive Hilfe leisten und Leben erhalten. Die vertrauens- und respektvolle Zusammenarbeit beider Systeme hat sich bewährt.

Ayurvedische Diagnostik beruht nicht alleinig auf einzelnen Untersuchungsmethoden, sondern stellt eine Bewertung aller hier skizzierten Bereiche dar. Leider finden sich in den Ursprungsländern (Indien, Sri Lanka) und auch in Europa noch immer „Wunderdiagnostiker“, die unter dem Namen der Ayurvedamedizin Leid und Schicksal eines Patienten ausschließlich über den Puls oder das Antlitz beurteilen. Von derartigen Praktiken möchten wir uns ausdrücklich distanzieren!


 
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